Perlen Lexikon EdelKontor

Süßwasserperlen

Obwohl die traditionelle Herkunft von Perlen Austern sind, die im Salzwasser leben, knnen auch Weichtiere, die in Swasserseen und Flssen leben, Perlen hervorbringen. China erntet Swasserperlen seit langer Zeit. Erste berlieferungen, in denen Perlen erwhnt werden, stammen aus dem Jahr 2206 vor unserer Zeitrechnung. Die USA waren auch ein bedeutendes Herkunftsland fr Swasserperlen seit der Entdeckung der neuen Welt bis ins 19. Jahrhundert, als bererntung und die zunehmende Umweltverschmutzung die Anzahl der Perlen produzierenden Muscheln erheblich reduzierte.

Swasser Zuchtperlen knnen oft nicht mit dem schimmernden Glanz aufwarten, der ihre Verwandten aus dem Salzwasser auszeichnet. Allerdings entstehen sie in einer Vielfalt von Formen und Farben und sind deutlich gnstiger im Preis, weshalb sie ausgesprochen beliebt sind. Swasserperlen sind auch robust und widerstehen Absplitterungen, Abnutzung und zeigen weniger Gebrauchsspuren.

Swasserperlen unterscheiden sich von anderen Zuchtperlen dadurch, dass sie nicht mit einem Kern versehen werden. Statt dessen wird nur ein kleiner Schnitt im Gewebe vorgenommen, in den ein Gewebeteilchen einer anderen Auster eingesetzt wird. Dieser Vorgang wird bis zu 25 Mal an jeder Hlfte der Auster vorgenommen, so dass bis zu 50 Perlen entstehen knnen. Die Muscheln werden dann zurck in ihren Lebensraum im Swasser gesetzt und zwischen 2 und 6 Jahren gehegt und gepflegt. Die fertigen Perlen bestehen aus solidem Perlmutt, sind aber nur selten rund, da kein Kern eingepflanzt wurde, der die Form beeinflussen konnte.

In den letzten Jahren konnten die Chinesen die Kunst der Swasserperlenzucht auf ein neues Niveau bringen. Seit ungefhr 10 Jahren ist die Qualitt der gezchteten Perlen so hoch, dass die Top-Qualitten einiger Ernten kaum von den Verwandten aus dem Salzwasser zu unterscheiden sind. Seitdem steigt das Interesse an Swasserperlen als bezahlbare Alternative zu den teureren Salzwasser Perlenketten wieder an.

Die Japaner knnen ebenfalls auf eine bedeutende Geschichte der Swasserperlenzucht zurck blicken. Der Biwa-See war einmal weltbekannt fr die Produktion qualitativ hochwertiger Swasserperlen. Mitte der 70er Jahre fand diese ra ein Ende. Der Biwa-See, einst das Synonym der Swasserperlenzucht, wurde ein Opfer der Umweltverschmutzung. Heute versuchen die japanischen Perlenfarmer neue Wege in der Swasserperlenzucht zu gehen. Sie nutzen eine Muschelkreuzung (Hyriopsis Schlegeli anadonata/plicata hybrid Muschel), in die ein Kern eingepflanzt wird. Die Perlen daraus sind recht gro und einzigartig. Da hohe Preise verlangt werden, bleiben sie aber wohl eine Nische fr Perlenliebhaber und Sammler.

Swasserperlen im Vergleich mit Akoya Perlen, die beide echte Perlen sind, unterscheiden sich erheblich in Wert und Aufbau. Die drei wichtigsten Unterschiede liegen im Zuchtprozess, dem Kern und in der Form.

Swasserperlen werden mit Gewebe bekernt, whrend Akoya-Perlen mit einem Kgelchen zum Wachstum angeregt werden. Anstatt eine winzige Perlmuttperle und zustzlich ein Gewebeteilchen in das Mantelgewebe einer Swassermuschel einzusetzen (wie bei der Akoya Perle), wird nur ein Gewebeteilchen genutzt, das in das Fleisch der Swassermuschel eingepflanzt wird. Das Resultat ist eine Perle, die aus solidem Perlmutt besteht, whrend das Gewebeteilchen sich auflst oder ausgestoen wird.

Obwohl geerntete Swasserperlen aus solidem Perlmutt bestehen, whrend Akoya Perlen vielleicht nur einen 0.5mm dicken Permuttmantel um einen Kern haben, sind die Akoya-Perlen dennoch wertvoller. Dies mag merkwrdig erscheinen, aber wenn wir das Gesamtbild betrachten, wird sich ein anderer Wertbegriff formen.

Swasserperlen werden im Mantelgewebe der Muschel gezchtet, das sich auf jeder Hlfte der Auster befindet. Die Flche des Gewebes ist viel grer als das Mantelgewebe einer Akoya Auster. Daher knnen bis zu 25 Implantate auf jeder Seite vorgenommen werden, also bis zu 50 pro Muschel. Eine Akoya Auster dagegen kann maximal 5 Implantate in ihrem Mantelgewebe verarbeiten, wird aber nur sehr selten mit mehr als 2 Kernen bestckt. Bei der Ernte knnen aus einer Swassermuschel dann bis zu 50 Perlen entnommen werden, whrend die Akoya-Muschel maximal 2 produziert.

Swassermuscheln sind auch viel leichter anzubauen. Ihre Sterberate ist deutlich niedriger, als die der mit Kernen bestckten Akoya-Austern. Auerdem werden Swassermuscheln viel seltener Opfer von Naturkatastrophen, wie Taifunen und Flutwellen, die Akoya-Perlenfarmen plagen.

Fast immer fallen Akoya Perlen sthetisch schner aus als Swasserperlen. Sie sind dafr bekannt, wirklich rund zu sein (ein seltenes Attribut fr Swasserperlen) und haben typischerweise einen helleren Schimmer und prachtvolleren Glanz.

Whrend der letzten 10 Jahre jedoch, ist es chinesischen Swasser-Perlenfarmen gelungen, die Qualitt ihrer Ernten enorm zu steigern. Heute ist es mglich, eine ganze Kette von Swasserperlen zu finden, die sich mit der Qualitt von Akoya-Perlen vergleichen kann. Obwohl der Preis immer noch um einiges niedriger ist, stellen diese Perlen einen beachtlichen Wert dar, da sie aus solidem Perlmutt bestehen und wesentlich haltbarer sind.

Swasserperlen und Zuchtperlen Perlenkufer fragen hufig, ob ein bestimmter Perlenstrang aus Swasserperlen oder aus Zuchtperlen besteht. Diese Frage kann nicht exakt beantwortet werden, da Swasserperlen eigentlich Zuchtperlen sind. Der Grund, weshalb so viele Perlenkufer Zuchtperlen und Swasserperlen unterscheiden, ist, dass der Begriff "Zuchtperle" so hufig verwendet wird, um auf Akoya-Perlen hinzuweisen. Dies zu wissen ist wichtig beim Perlenkauf, da ein Verkufer von Swasserperlen seine Ware durchaus "Zuchtperle" nennen kann. Fr eine bewusste Kaufentscheidung ist es hilfreich, den Ursprung der Zuchtperlen zu kennen, da ein Strang aus Swasserperlen niemals so wertvoll sein wird, wie ein Strang Akoya Perlen in vergleichbarer Qualitt.

Jede Perle, die heutzutage heran wchst (ausgenommen jene vom persischen Golf) ist eine Zuchtperle. Diese Perlen gbe es ohne den Eingriff des Menschen nicht. Eine Swasserperle, obwohl vollstndig aus Perlmutt bestehend, ist ebenso eine Zuchtperle, da die Muschel mit einem Gewebestckchen versehen wurde. Alle Perlen, die im Salzwasser kultiviert werden, sind ebenfalls mit einem Gewebestckchen versehen worden, allerdings noch dazu mit einem winzigen Kgelchen aus Perlmutt.